Schulgeschichte

Die Gemeinschaft der Dominikanerinnen in Lienz hat 1781 auf Drängen der Stadtväter die 1. Mädchenschule der Stadt eröffnet und führte diese Schule dann fast 200 Jahre lang. Aber die Schwestern waren sicher schon mehr als doppelt so lang mit Unterrichten für die weibliche Jugend befasst. In einem Protokoll der Stadtgemeinde Lienz von 1614 wird "beratschlagt, daß das Closter wiederumben aufgebaut und instand gesetzt werden möge, damit die lieb Jugend unterwiesen" würde. In diesem Jahr hatte nämlich ein verheerender Brand große Teile der Stadt und auch das Klösterle in Schutt und Asche gelegt.

Welcher Art die Unterrichtstätigkeit damals war, ist nicht auf uns gekommen, weil durch die 3 Brände von 1413, 1614 und 1798 die schriftlichen Zeugnisse darüber verloren gegangen sind. Vor der Zeit, da Kaiserin Maria Theresia in unseren Landen 1756 die Schule zur Pflicht machte, waren es jedenfalls die Klöster und geistlichen Gemeinschaften, die sich der lernbedürftigen Jugend annahmen, und so war es auch hier.

Die Unterrichtsfächer in dieser ersten Lienzer Mädchenschule waren Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen sowie "Anleitung zur Rechtschaffenheit und Wirtschaft". Die Stadtverwaltung stellte zu Beginn 5 Bücher zur Verfügung: für jedes der Fächer 1 Exemplar! Es gab noch keine Lehrpläne und keine ausgebildeten Lehrpersonen, aber der Andrang in die Schule war groß und die Schulfrauen machten ihre Sache offenbar gut. Es gab zu Schuljahresende eine öffentliche Prämiierung der Schüler in der Liebburg unter Beisein der Honoratioren der Stadt und vieler Bürger, was für das Interesse an der Schule spricht.

Begann die Schule 2-klassig, so erweiterte sie sich bis um die Jahrhundertwende auf 8 Klassen. Die Klassenräume waren zuerst innerhalb des Klostergebäudes gelegen, bald aber musste ein Anbau für die Erweiterung geschaffen werden, was viel Energie und Klugheit erforderte, denn die finanziellen Mittel waren nur spärlich gegeben. 1908 wurde das Schulgebäude zu seiner heutigen Größe und Stattlichkeit ausgebaut, nur der Westtrakt erfuhr 1975 noch eine geringe Verlängerung.

Die Schulfrauen waren immer bemüht, mit ihrer pädagogischen Arbeit auf der Höhe der Zeit zu sein und ernteten dafür auch reichlich Anerkennung von Seiten der Schulaufsicht wie auch von der Lienzer Bevölkerung.

So erfolgte 1910 die Einrichtung von Turnunterricht, was damals sicher eine Pioniertat war. Schon in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunterts gibt es eine "Industrieschule", die wohl als ein Vorläufer der berufsbildenden Schulen unserer Tage anzusehen ist. Es gab weiters "Fortbildungsunterricht" in Stenografie, Italienisch und Buchhaltung für die schulentlassenen Mädchen. 1915 schritt man an die Gründung einer 3- klassigen Bürgerschule, die neben der Volksschule geführt wurde. 1927 wurde diese Bürgerschule in eine Hauptschule umgewandelt.

1938 verbot der nationalsozialistische Staat den Klosterfrauen die Arbeit an der Schule. Die Lehrschwestern wurden ihres Amtes enthoben, die Schulleitung einem zivilen Direktor übergeben. Die Jahre bis 1945 waren aber bald durchgestanden und nach dem Ende des 3. Reiches führten die Dominikanerinnen wieder ihre Schule unter Einbeziehung von immer mehr zivilen Lehrkräften, bis 1970 die letzte Klösterle-Schulfrau und Direktorin in Pension ging. Das Schulgebäude wurde einer neuen Bestimmung übergeben: die Stadtgemeinde mietete es, um darin die Sonderschule einzurichten, die 1976 einzog.

Anfang der 20er Jahre war es zur Errichtung des Haushaltungsschulgebäudes gekommen, da Osttiroler Politiker die Klosterfrauen zur Eröffnung einer landwirtschaftlichen Haushaltungsschule drängten. 1923 wurde das neue Gebäude eingeweiht, das bis heute im Dienst wirtschaftlicher Ausbildung steht. Mit dem NS-Regime war den Schwestern jeglicher Unterricht verboten. So beherbergte das Schulgebäude während des 2. Weltkrieges zeitweise Klassen der Lienzer Handelsschule und das Gymnasiums, zusätzlich diente es als Lehrerwohnung. 1951 eröffneten die Schwestern die Haushaltungsschule wieder, allerdings nicht mehr eine landwirtschaftliche. Ein Schülerinternat wurde eingerichtet, weil der Bedarf gegeben war. In den 60er und 70er Jahren beherbergte es auch Schülerinnen der HAK-HAS sowie des Lienzer BORG und der Hauptschule. Auch heute wählen immer wieder Schülerinnen der HLW, Hotelfachschule, HAK/HAS oder des BORG unser Internat wegen seiner familiären, freundlichen Atmosphäre.

1979 wurde die 2-jährige Hauswirtschaftsschule eingerichtet, an deren Stelle ab dem Schuljahr 2000/01 eine 3-jährige Fachschule für wirtschaftliche Berufe trat. Ihr Ausbildungsschwerpunkt "Gesundheit und Soziales" steht dabei in der Tradition des Klosters. Die 1-jährige Haushaltungsschule bewährt sich seit dem Jahr 1999 als sozial-integrative Klasse.

So war die Klösterle-Schulgeschichte immer eng mit dem Wandel der Zeit verbunden, wandelte sich mit diesen. Was immer blieb, war das Anliegen, der Jugend Stütze zu sein auf dem Weg des Lebens und des Glaubens.

(Text nach Sr. Mechthild Petutschnigg, OP)